Familie

„Mir ist laaangeweilig!“ – warum Langeweile Kindern guttut

By August 16, 2018 No Comments

Der Übergang von den Sommerferien zum Alltag mit Schule und Nachmittagsaktivitäten hat es in sich: Langeweile macht sich breit. Viele Kinder wissen frisch aus dem Urlaub zurück, nichts mit sich anzufangen. Die Schule geht noch nicht wieder los, Mama und Papa sind aber womöglich schon wieder im Alltagstrott angekommen. Willkommen im Leben.

Langeweile ist gut, sagen die Experten

‚Langeweile ist eine Quelle der Kraft‘, schreibt Dr. Jan-Uwe Rogge. Der Erziehungswissenschaftler steht mit seiner Einschätzung bei weitem nicht alleine da. Viele Experten für kindliche Entwicklung brechen eine Lanze für die Langeweile. Der berühmte Schweizer Kinderarzt Remo Largo, der jahrelang die kindliche Entwicklung empirisch verfolgt hat, meint: ‚Jeder Mensch braucht eine gewisse Leere, um zu spüren, was er will. Wie soll man sonst im Lauf der Zeit erkennen, wer man ist? Es ist bedauernswert, dass diese Leere heute oftmals fehlt. Langeweile ist gut‘.

Doch wie sollen Eltern auf den berühmt-berüchtigten ‚Mir-ist-langweilig-Satz‘ reagieren? Am besten gar nicht, meint der Hamburger Erziehungswissenschaftler Peter Struck. Kinder brauchen Freiraum, um selbst Ideen zur Beschäftigung zu entwickeln. Eltern, die bei jedem Knatsch-Anflug Sofortmaßnahmen zur Bespaßung einleiteten, schafften sich langfristig gesehen nur das Problem, dass das Kind ebenjenes Verhaltensmuster immer wiederholte. Es merkt sich die Gleichung ‚Mir ist langweilig = Ich werde bespaßt‘. Für Eltern auf Dauer verheerend.

Was bedeutet Langeweile für Eltern und Kinder?

Langeweile hat durchaus ihre Daseinsberechtigung, Eltern und Kinder müssen das Potential, das in der „Leer-Zeit“ steckt, nur erkennen lernen. Es ist – übrigens nicht nur für Kinder – nicht leicht herauszufinden, was man eigentlich möchte. Dies ruft unangenehme Gefühle hervor, die quengelig und nervös machen. Doch ein Kind, das nie gelernt hat, seine Langeweile zu überwinden, weiß auch als Erwachsener nicht, was es mit sich anfangen soll

Eltern sollten sich nicht als Entertainer für ihre Kinder verstehen. Vielleicht hilft es, beim nächsten Langeweile-Anfall den Rat von Familientherapeut Jesper Juul zu befolgen: ‚Sie umarmen ihr Kind und sagen zu ihm: Herzlichen Glückwunsch, mein Freund! Es interessiert mich, zu sehen, was du jetzt tust‘. Klingt erstmal albern und sorgt womöglich beim Nachwuchs für Irritationen. Aber Eltern geben ihren Kindern damit die Chance, sich mit sich selbst, mit eigenen Potenzialen, Interessen und Ideen zu beschäftigen.

Bitte nicht stören! Langeweile zulassen

Wenn Eltern sich immer von ihrem Kind dazu drängen lassen, ihm die Freizeitbeschäftigung vorzugeben, nehmen sie ihm die Gelegenheit, selbst in sich hinein zu hören, womit es sich beschäftigen kann. Das Kind verlernt, wie es seine innere Unzufriedenheit aushalten und selbst etwas dagegen tun kann. Geben Eltern ihren Kindern hingegen die Chance, sich in Phasen der Langeweile mit sich selbst und ihren tiefen Bedürfnissen auseinanderzusetzen, helfen sie ihnen dabei, ihre Fantasie (neu) zu entdecken. Lustige Spiele gegen Langeweile helfen nur kurzfristig, Kinder müssen lernen, sich von sich aus zu beschäftigen. Die meisten Kinder kommen nach einiger Zeit selbst auf Ideen, was sie als nächstes machen könnten: Eine kleine Fahrradtour, die Legosteine nach Farben sortieren, eine Geschichte schreiben, ein neues Spiel erfinden.

Wenn Kinder Unterstützung brauchen

Aber es gibt Momente, da brauchen Kinder Unterstützung. Erziehungsmaßnahmen in Sachen Langeweile sollten nicht bei Großeltern oder Babysittern hängen bleiben, wenn diese auf den Nachwuchs aufpassen. Hier darf es ruhig heißen: Komm, wir machen was zusammen. Eine tolle Idee, wie Kinder, die sich langweilen, auf kreative Art und Weise zu neuen Ideen angeregt werden, hat Patricia vom Mom´s Blog entwickelt: Das ‚Was kann ich machen‘-Glas. Gemeinsam mit ihren Kindern hat sie Aktivitäten wie lesen, malen, Fahrradfahren, Höhle bauen, kneten und viele mehr auf Holzstiele geschrieben, die in einem hübschen Glas stecken. Bei Bedarf wird eins gezogen und schwupps, haben die Kinder etwas zu tun, Langeweile adé!

 

 

 

 

 

 

 

 

so baby take a walk on the wild side by Kinga Cichevicz, Creative Commons CC0 via Unsplash

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