Familie

Kind, wo bist du? Apps, GPS und co.

By June 28, 2018 No Comments

Zwei Dinge sollten Kinder von ihren Eltern bekommen: Wurzeln und Flügel. Goethes schlauer Ratschlag bekommt in Zeiten von Apps und Trackern eine völlig neue Dimension, stellt sich doch die Frage, wie frei (Flügel!) unsere Kinder heute aufwachsen können und wie wir ihnen Vertrauen (Wurzeln!) entgegenbringen, ohne ständig Angst um sie zu haben.

Das Kind für einen kurzen Moment aus den Augen zu verlieren löst bei den Eltern ein Gefühl der Panik aus. Ob auf dem Spielplatz, im Zoo, im Freizeitpark oder auf dem Straßenfest – Gelegenheiten im Alltag, bei denen Kinder aus dem Blickfeld geraten, bieten sich viele. Vor allem Orte, an denen viele Menschen zusammenkommen, die Lage unübersichtlich ist, sind dafür prädestiniert. Was tun?

Wenn die Kleinen ihre ersten Schritte machen, werden sie schnell mobiler und wollen die Welt entdecken. Besonders für Eltern mit mehreren Kindern ist es eine große Herausforderung, alle, besonders die kleinsten Entdecker, im Blick zu haben. Der nächste Meilenstein in Sachen „Flüggewerden“ steht dann etwa mit Einritt in die Schule an, wenn die Kinder selbständiger werden, alleine den Schulweg antreten, sich am Nachmittag verabreden, mit dem Fahrrad zum Fußball oder zum Musikunterricht fahren.

Leine, Handy oder Totalüberwachung per App – wir haben mal einige in unseren Augen mehr oder weniger sinnvolle Methoden zusammengetragen, mit denen Eltern ihre Kinder nicht aus den Augen verlieren, bzw. die dabei helfen, das Kind wiederzufinden, sollte es im Gewusel doch mal verloren gegangen sein.

  • Die Sicherheitsleine

Katharina vom Blog Stadt Land Mama hat vor einigen Jahren über die Leine als „Hilfsmittel“ für Eltern berichtet und eine rege Diskussion unter ihrem Blogartikel entfacht. In Deutschland ist es sehr unüblich, seinem Kind eine Leine anzulegen, in Ländern wie Frankreich oder Irland sieht man diese Praktik häufiger. Auf der anderen Seite kann eine Kinderleine sicherlich hilfreich sein, gerade an vielbefahrenen Straßen und besonders bei mehreren Kindern oder Zwillinge. Letztendlich ist es den Eltern überlassen, ob sie ihr Kind wie einen Hund führen möchten.

  • GPS Armband

Die Anbieter von GPS-Trackern spielen mit der größten Angst der Eltern: Das eigene Kind zu verlieren. Es gibt Armbänder oder Tracker in Form von Schlüsselanhängern, die an den Rucksack oder den Ranzen des Kindes angebracht werden. Eltern haben somit die volle Kontrolle über den aktuellen Standort des Kindes. Stellt sich die Frage, wie sinnvoll diese Maßnahme ist und welche Konsequenzen dem Kind drohen, wenn die Eltern feststellen, dass es heute nicht zum Fußballplatz, sondern ins Einkaufszentrum gefahren ist. Wie kann ein Kind so Eigenständigkeit und Selbstvertrauen erlernen?

  • ID-Armband mit Telefonnummer

Eine abgeschwächte Armbandversion ist die mit der Telefonnummer von Mama und Papa (oder Oma, Opa, Babysitter – je nachdem, wer gerade mit den Kids unterwegs ist). Eine tolle Sache: Gehen Sohn oder Tochter im Gedränge oder im Einkaufszentrum verloren, können Erwachsene, die das verlorene Kind aufgreifen, die entsprechende Telefonnummer wählen und alles ist wieder gut. Geschäftsfindige Bastelfreunde haben mittlerweile auf Dawanda und Co. ein regelrechtes Business um „SOS-Bändern“ aufgebaut.

  • Ortungs-App

Mama is watching you: Manche Eltern kennen keine Grenzen und verwechseln Fürsorge mit Kontrollwahn. Sie wollen genau wissen, wo ihr Kind ist, mit welchen Freunden es welche Nachrichten austauscht und was es sich im Internet anschaut. All das ist möglich mit entsprechenden Apps, die auf dem Smartphone der Heranwachsenden installiert werden. Die Anbieter werben mit der Sicherheit für die Kinder, dass die Überwachung der Eltern sie vor „falschen“ Kontakten und missbräuchlicher Internetnutzung schützen soll. In einer Anwender-Demo ist zu sehen, wie man das Leben seiner Kinder in Echtzeit monitoren kann: Die jüngsten Gesprächsprotokolle aller Kontakte werden angezeigt, die letzten Anrufe mit Verbindungsdaten, auf einer Karte sind die letzten Standorte verzeichnet. Zudem lassen sich Fotos, SMS, Whatsapp-, Facebook- und Snapchat-Daten abrufen. Die Privatsphäre der Kinder und Jugendlichen wird somit zur Nebensache.

  • Eigenes Handy ohne Schnickschnack

Früher oder später müssen sich alle Eltern mit der Frage auseinandersetzen: Wann kriegt das Kind ein eigenes Handy? Noch ist es Usus, dass zum Eintritt in die weiterführende Schule, also ab Klasse 5, ein Smartphone geschenkt wird. Machen natürlich nicht alle Eltern, aber Experten beobachten, dass mit spätestens 12 Jahren ein Großteil der Kinder ein eigenes Smartphone hat. Vermutlich wird sich dieser Zeitpunkt immer weiter nach vorn bewegen, so wie die Digitalisierung momentan voranschreitet.

Wer seinem Kind schon vorher die Möglichkeit geben will, die Eltern im Zweifelsfall anrufen zu können (und natürlich auch umgekehrt!), kann die Zeit bis zum Smartphone mit einem einfachen Handy „wie früher“ überbrücken. Anrufe und SMS, mehr braucht es vorerst nicht und alle Beteiligten fühlen sich wohl, wenn der Sprössling seine ersten größeren Kreise alleine zieht.

Fazit

Um nochmal das Stichwort Digitalisierung aufzugreifen: Mit der Verbreitung der Handys seit Ende der 90er Jahre haben sich die Kommunikationsmöglichkeiten drastisch geändert. GPS, WIFI etc. kommen dazu, d.h. uns stehen heute ganz andere Wege und Mittel zur Verfügung, mit unseren Kindern zu kommunizieren. Also sollten wir sie auch nutzen, aber nur soweit, dass die Privatsphäre gewahrt bleibt und sich die Kinder und Jugendlichen autark entwickeln können. Die Basis aller Kommunikation zwischen den Familienmitgliedern sollte Vertrauen sein, nicht Kontrolle per App.

 

 

 

 

 

 

Bilnachweis: adult blur business close up von smailox; Creative Commons CCO via Pixabay.com

 

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